Rezension Sachbuch "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn"

Der Titel des Buches hätte meine momentane Gefühlslage gar nicht besser beschreiben können.
Meine Dreijährige steckt gerade mitten in der Trotzphase und ihren Ausbrüche sind manchmal echt anstrengend.
 
Und der Untertitel des Buches "Der entspannte Weg durch Trotzphasen" hat mich dann gleich noch mehr angesprochen. Entspannung und Trotzphase in einem Satz?? Na dann mal her mit dem Buch...!
 
Die beiden Autorinnen Danielle Graf und Katja Seide betreiben den erfolgreichen Blog "Das gewünschteste Wunschkind der Welt treibt mich in den Wahnsinn".
Ich kannte diesen Blog noch nicht, aber wer so erfolgreich bloggt,wird schon Ahnung von Kindern haben....
 
Nun ist es aber so, dass ich eher der Verfechter einer, ich sage es mal, "klassischen" Erziehung bin.
Meinen Erziehungsstil würde ich als liebevoll und zugewandt, aber auch als konsequent beschreiben. Ich mag es nicht, alles bis ins kleinste mit meinen Kindern durchzudiskutieren. Klar besprechen wir auch viel und die Kinder haben auch ein Mitspracherecht. Nur manchmal heisst es aber auch "das wird jetzt so gemacht,weil ich es sage".  Einer muss der Chef sein, und das bin letzten Endes ich.
 
Das Buch ist mir leider ein wenig zu "pädagogisch weichgespült". Klar ist es interessant zu lesen, wie die neuronale Entwicklung von Kindern ist. Und wie man - im Sinne der Kinder - darauf eingeht. Aber oft habe ich mich beim Lesen gefragt "und wo bleibe ich?" Darf ich denn auch Bedürfnisse haben?
Ich finde, heutzutage stehen die Bedürfnisse der Kinder oftmals zu sehr im Mittelpunkt.
Ja es ist gut, dass Kinder gehört werden. Ja, Kinder haben natürlich Rechte. Ja es ist gut, dass Kinder eine eigene Meinung vertreten dürfen. Keine Frage.

Aber heutzutage darf man - mein Empfinden - gar nicht laut fragen: Wo bleiben da die Eltern? Muss ich immer zurückstecken, "nur" weil ich Kinder habe? Dürfen nicht auch ab und zu mal MEINE Bedürfnisse an erster Stelle stehen??
 
Bis zur Hälfte des Buches habe ich mich durchgequält. Ich hatte immer weniger Lust, das Buch zur Hand zu nehmen. "Aber wo es doch so (vermeintlich) pädagogisch wertvoll ist..." habe ich mir immer gesagt...
Bei der Hälfte angekommen, mochte ich nicht mehr lesen.

Thema Einschlafen


Da wir gerade so unsere Mühe haben, die Kleine abends ins Bett zu bringen, habe ich dann nur noch bis zu diesem Kapitel vorgeblättert.
Aber die hier gemachten Vorschläge passen ehrlich gesagt so gar nicht zu mir (zu meinem Mann im übrigen auch nicht).
 
Kinder brauchen Nähe, die wir ihnen geben sollen (ich bekuschel meine Kinder äußerst gerne - tagsüber). Gerade zum einschlafen wird dieser Wunsch nach Nähe stärker.
Laut Buch soll ich ihr dieses Bedürfnis auch erfüllen.

Meine Tochter kommt momentan am Abend bis zu 10x aus ihrem Bett. Der von mir so dringend benötigte Feierabend fällt somit oftmals flach.
Der Feierabend ist "meine" Zeit, die ich für mich (und meinen Mann) brauche, um wieder Kraft zu tanken und am nächsten Morgen fröhlich und gut gelaunt für meine Kinder da sein zu können.
Wie kriege ich das also (wieder) hin, dass meine Tochter alleine einschläft (was sie bis vor kurzem auch immer gut gekonnt hat) ?
 
Die Vorschläge laut Buch sind:
1.Einschlafbegleitung, also so lange am Kinderbett zu sitzen und Händchen zu halten, bis das Kind einschläft.
Oh nein, auch mit dieser Methode sehe ich meinen Feierabend den Bach runter gehen. So kann ich meinem Kind doch nicht beibringen, selbständig einzuschlafen. Eine Kompetenz, die es eigentlich schon lange hatte. Und ich möchte dem Kind nichts "angewöhnen" - nämlich das Händchenhalten - was ich später mühsam wieder abgewöhnen muss
 
2. Selbstbestimmtes Zubettgehen
Kinder dürfen spielen, so lange sie wollen. Irgendwann werden sie schon von alleine müde
Äääh nee...wie schon erwähnt, bin ich eher für klare Strukturen und Regeln, die den Kindern ja auch Sicherheit geben. Von diesem Vorschlag halte ich gar nichts
 
3. Geschwisterbett
Ohje, das würde ja was werden bei uns. Meine Große ist abends müde und möchte ihre Ruhe. Ihre kleine aufmüpfige Schwester im Bett zu haben wäre eine Strafe - das geht also gar nicht!
 
Spätestens nach diesem Kapitel war mir klar: die Autorinnen und ich haben einfach viel zu unterschiedliche Erziehungsansätze. Mögen sie auch manchmal recht haben, für mich fühlt es sich einfach nicht stimmig an.
 
Fazit: für mich nicht geeignet. Schade.

Ich möchte aber an dieser Stelle betonen, dass "mein" Erziehungsansatz nicht besser oder schlechter ist als andere.
Er passt bloß einfach besser zu MIR und UNS.

Sicherlich kommen viele auch gut mit antiautoritärer Erziehung (wobei ich mich selber nicht als autoritär empfinde) zurecht. Jeder muss halt seinen eigenen Weg finden. Und bevor ich jetzt für meine Meinung gesteinigt werde:

leben und leben lassen!

Den "einen" richtigen Weg gibt es sowieso nicht...!
 
 
P.S.: ich lese nun gerade "Die Eltern-Trickkiste". Hier werden einfache kleine Tricks verraten, ohne dass ich meinen kompletten Erziehungsansatz in Frage stellen muss. Für mich viel praktischer!

 

Kommentare

  1. Hi! Ich kann dich gut verstehen. Lustigerweise habe ich heute einen Blogbeitrag veröffentlicht, der in Richtugn geht, dass man als Mutter immer ein schlechtes Gewissen hat, wenn man sich freut, auch mal kinderlos zu sein. Dabei ist das, wie du ja auch schreibst, so wichtig. Der Feierabend ist sehr wichtig, zum Ausruhen, zum Runterkommen und auch für die Partnerschaft! Ich stehe auch dazu! Du hast deine Meinung gut dargestellt und begründet! Grüße Verena von Books-and-Cats

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Verena,
      Dankeschön für Dein Feedback! Deinen Beitrag lese ich mir nachher auch mal durch! Dass mit dem schlechten Grwissen kenne ich nämlich auch... �� LG Wencke

      Löschen
  2. Hey!
    Ich habe zwar keine Kinder, aber hätte ich welche, würde ich es genauso machen, wie du. Ich kann deine Haltung sehr nachvollziehen und finde sie extrem gut. Ich bin kein Freund davon, alles und jedes mit den Kindern auszudiskutieren und ihnen überall Mitspracherecht einzuräumen. Auch Eltern sind lebende Wesen, die Zeit für sich brauchen und das Recht haben, sich diese auch zu nehmen. Du bringst meine Einstellung mit deinen Worten genau auf den Punkt.
    Jeder soll es machen, wie er es für richtig hält. Aber mein Erziehungsstil wäre der der Autorinnen wohl auch nicht.
    LG
    Yvonne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Yvonne, vielen lieben Dank! Ich dachte schon ich bin mit meiner Meinung ziemlich alleine...zumal die Autorinnen einen ziemlich bekannten und erfolgreichen Elternblog betreiben. Offenbar denken dann ja viele so wie die und Mütter untereinander machen sich schnell mal fertig für andere Meinungen...meine Erfahrung...
      LG Wencke

      Löschen
  3. Hallo Wencke

    Ich höre davon gerade das Hörbuch. OHA! Einfach nur köstlich.

    Liebe Grüße,
    Gisela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Gisela, und wie gefällt dir das Hörbuch? LG Wencke

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension Kinderbuch "Mat und die Welt" von Agnieszka Suchowierska

Vorstellung Kinderbuch: "Bakabu und der goldene Notenschlüssel"